
Octodons.ch vereint verschiedene Deguservices (Deguvermittlung, Käfigrechner, etc.) unter einem gemeinsamen Auftritt und bietet weiteres interessantes Material über Degus.
Der Degu (Octodon degus) ist ein kleiner, etwa 15 cm grosser Nager mit einem fast so langen, dünnen Schwanz. Er stammt aus Südamerika, genauer Chile, bewohnt dort Steppen- und mediterane Gebiete. Er ist anfällig für Diabetes und ernährt sich von karger Kost.
Degu-Ratgeber: Umfangreiches Webprojekt, ein über 50 HTML-Seiten umfassender, online zugänglicher Degu-Ratgeber mit Informationen über Deguhaltung, Lebensweise in der Wildnis, Ernährung, Pflege und Gesundheit, Fortpflanzung, Anatomie, Wesen und vieles mehr.
Degu-Ratgeber: http://degu.re4.ch/
Degupedia.de: Umfangreiche Deguwebseite, die vor allem Informationen über Pflanzen und Deguernährung bietet, aber auch zu anderen Themen fleissig Wissen sammelt, das es alles über Degus und verwandte Themen zu wissen gibt.
Degu-Projekt - Meine erste Deguwebseite, umfangreich und informativ nach wie vor.
Degus bewohnen trockene und vegetationsarme Halbwüsten Nordchiles und mediterrane Gebiete Mittelchiles mit heissen, trockenen Sommern und kühlen, regenreichen Wintern.
Degus sind streng tagaktiv, wobei sie im Sommer die heisse Mittagssonne meiden und ihre Aktivitäten vorwiegend auf die frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden verschieben (Kenagy et al. 2002; Ebensperger et al. 2004). Sie leben teils unterirdisch, in Familienverbänden von 3-10 Tieren, welche wiederum lockere Kolonien bilden. Als Unterschlupf dienen ihnen selbst gegrabenen Baue, welche ihnen Zuflucht und Schutz gegen Feinde und Umwelteinflüsse bieten. In Gefangenschaft weisen Degus öfters auch vermehrte Aktivität am Abend und in der Nacht auf. Sie gehören zu den Stachelschweinverwandten (Hystricognatha bzw. Hystricomorpha, je nach Systematik) (vgl. McKenna & Bell 1997; Novak 1999; Wilson & Reeder 2005). Nahe Verwandte des Degus sind der Cururo (Spalacopus cyanus), aber auch das Meerschweinchen (Cavia spp.) und Chinchillas (Chinchilla lanigera). Die Ernährung der Degus ist herbivore und auf pflanzliche, eher karge Kost eingestellt (vgl. Bozinovic 1995; Meserve 1981; Meserve et al. 1983; Silva 2005).
Degus messen ohne Schwanz 17 bis 21 cm und der Schwanz 8 bis 14 cm (Redford & Eisenberg 1992) und wiegen zwischen 170 und 300 g (Woods & Boraker 1975). Wildlebende, ausgewachsene Degus sind etwas leichter und wiegen etwa zwischen 180 und 220 g (Ebensperger 2001; Le Boulengé & Fuentes 1978). Sie sind kompakt gebaut, ihre Rückenlinie ist gewölbt und ihre Schnauze kurz und abgerundet. Die grossen, ovalen Ohren überragen dabei leicht den Kopf. Die Vorderbeine sind kurz, die Vorderpfoten tragen 4 Finger und einen zurückgebildeten Daumen. Die Hinterbeine dagegen sind verhältnismässig lang und die Füsse tragen 5 mit steifen Borstenhaaren überwachsene und mit scharfen Krallen bestückte Zehen. Das Fell ist schwarz mit ockerfarbenen Spitzen (Ticking), was ihm die agoutifarbene Strichzeichnung verleiht. Bauch- und Beinbehaarung ist meist heller und einfarbig. In Gefangenschaft werden Degus etwa 5 bis 8 Jahre alt (Lee 2004), können aber bis zu 12 Jahre alt werden. Ihre Körpertemperatur beträgt etwa 37,9 Grad Celsius (Woods & Boraker 1975; eigene Feststellung). Andere Quellen (Kenagy et al. 2004) berichten, dass die Körpertemperatur von Degus zwischen 36 und 38 Grad Celsius variiert. Degus haben einen diploiden Gensatz von 58 Chromosomen (Woods & Boraker 1975).
Degus brauchen eine grosse und nagefeste Unterkunft. Als absolute Mindestmasse gelten die von der Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) empfohlenen Mindestmasse von 0,5 x 1 m Grundfläche auf 1 m Höhe. Aktuell werden grössere Mindestmasse diskutiert (siehe unten "Diskussion Mindestmasse"), grundsätzlich gilt aber immer, je grösser desto besser. Die Unterkunft sollte an einem hellen Standort aufgestellt werden, der frei von Zugluft ist. Ebenfalls vermeiden sollte man Standorte mit starker Hitzeentwicklung, z. B. durch Heizkörper oder pralle Einstrahlung der Mittagssonne. Handelt es sich nicht um einen sehr hohen Käfig, wie das z. B. bei Volieren der Fall ist, dann sollte man ihn nicht direkt auf den Boden stellen. Ein etwa 1 m hohes Möbel sollte dann als Untersatz verwendet werden, damit die Degus auf Augenöhe mit den Menschen sind. Das erleichtert auch den Umgang mit den Tieren. Zur Einrichtung gehöhren genügend Verstecke (geeignet sind insbesondere Röhren aus Pappe oder Ton, aber auch Wurzeln, Korkrinde, Tonverstecke etc.), Heu als Nistmaterial und Futter, Äste als Nagematerial und zum Klettern, Steine als Sitzplätze und zum Klettern, tiefe Einstreu oder Stroh zum Graben und ein Trinknapf oder eine Wasserflasche. Ein Sandbad sollte zumindest regelmässig für eine gewisse Zeit den Degus zur Verfügung stehen, damit sie ihr Fell pflegen können.
In der Wildnis ernähren sich Degus hauptsächlich von Kräutern, Gräsern und Strauchblättern (ca. 75 % der Nahrung) und Sämereien von Kräutern, Gräsern und Sträuchern (ca. 25 %). Der Saatanteil variert allerdings saisonal zwischen 5 und 60 %. Tierische Nahrung in Form von Insekten wird kaum gefressen. Ihr Anteil liegt unter 1 %. (ref. pdf Degupedia Magazin 1: Deguernährung).
In Gefangenschaft brauchen Degus eine karge, zuckerarme, aber ausgewogene Ernährung. Zur Grundnahrung gehört hochwertiges Rauhfutter wie Heu, das stets in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen muss. Dazu bekommen Degus eine Futtermischung, bestehend aus Kräuter, Trockengemüse und Blüten. Alternativ kann statt dessen nach vorsichtiger Angewöhnung auch Grünfutter (vorzugsweise Gräser, Wildkräuter und -gemüse, aber auch Gemüse ist geeignet) geeignet. Dazu sollte die Ernährung mit Saaten ergänzt werden. Diese sollten aus Gras- und verschiedenen Wildsaaten bestehen und etwa 10-20 % der Gesamtnahrung ausmachen. Ebenfalls sehr wichtig sind frische Äste, welche am besten mit Laub gereicht werden. Sie dienen als Nagematerial und Mineral- und Vitaminquelle. Geeignet ist Holz von Obstbäumen, Hainbuche, Birke, Haselnuss und einige andere Gewächse. Als Leckerbissen eignen sich begehrte Futterstücke, die selten verfüttert werden. Geeignet sind beispielsweise fetthaltige Wal- oder Haselnüsse, aber auch karge Futterstücke wie z. B. Rosenblätter oder andere getrockneten Blüten können als Leckerbissen gereicht werden, sofern sie nicht zu häufig verfüttert werden.
Für die Deckung des Wasserbedarfs eignen sich sowohl eine Trinkflasche als auch Wassernäpfe. Die Trinkflasche muss nagesicher montiert werden, damit sie von den Degus nicht zerstört wird, der Wassernapf dagegen sollte vorzugsweise auf einer erhöhten Stelle aufgestellt werden. Eine umzäunte Trinknapfetage hat sich bei mir bestens bewährt. Der Trinknapf darf zudem nicht zu gross sein, damit die Degus nicht darin ein Bad nehmen können.
Degus sind Nestflüchter und haben daher eine relativ lange Tragzeit von 87 bis 95 Tagen (Weir 1970; Lee 2004). Sie können bei uns das ganze Jahr Junge werfen und bis zu 4 Würfe pro Jahr zur Welt bringen (vgl. Gneiser 2006), in ihrer natürlichen Heimat dagegen werfen sie nur 1-2 Mal pro Jahr während der Brutsaison. Die Anzahl Junge kann zwischen 1-12 Jungtiere variieren, wobei Würfe mit 5-6 Neugeborenen die Regel sind (Gneiser 2006). Bei Geburt wiegen die Neugeborenen 14 g (Weir 1970; Reynolds & Wright 1979) und sind, wie das bei Nestflüchtern üblich ist, bereits voll entwickelt. Die Jungen werden dann etwa mit 4-5 Wochen und einem Gewicht von 60-80 g entwöhnt (Lee 2004). Der früheste Zeitpunkt für die Geschlechtsreife liegt bei sieben Wochen bei weiblichen Degus, bei männlichen Degus etwa bei 9-10 Wochen, wobei die meisten Degus erst etwa mit drei Monaten, teilweise auch später geschlechtsreif werden. In Gefangenschaft verlieren weibliche Degus mit 4 bis 4,5 Jahre ihre Fruchtbarkeit (Lee 2004).